"Wir wollen Stifter ermuntern, sich zusammenzuschließen"
Gerald Schweighofer, Holzindustrieller und Stifter, will Stiftungen ermuntern, das soziale Engagement zu forcieren und sich auch dazu öffentlich zu bekennen.
Sechs Stiftungen haben sich zusammengetan, um ab der zweiten Jahreshälfte beispielgebend die gemeinnützige Rolle von Stiftungen zu unterstreichen. Sie werden in Kooperation größere soziale Projekte effizient abwickeln.
WirtschaftsBlatt: Sie haben einen beträchtlichen Teil Ihres Vermögens in eine Privatstiftung eingebracht.
Gerald Schweighofer: In unserem Fall wollten wir die Weiterführung des Unternehmens und den Erhalt des Vermögens sichern. Nach meinem Ableben werden 50 Prozent der Stiftungserlöse rein gemeinnützigen Zwecken dienen, aber wir engagieren uns schon heute sehr stark im sozialen Bereich, wir führen beispielsweise eigenständig karitative Projekte in Rumänien durch. Ich bin der Überzeugung, dass es eine Verpflichtung für Wohlhabende ist, Bedürftige zu unterstützen und der Gesellschaft und vor allem denjenigen etwas zurückzugeben, die unbedingt Hilfe brauchen.
Sie machen sich stark dafür, dass Stifter ihr soziales Engagement auch in die Öffentlichkeit tragen. Genau hier unterscheiden Sie sich stark von der Mehrzahl der rund 3200 Stifter in Österreich, die dabei eher zurückhaltend sind.
Ich weiß, dass es viele Stiftungen in Österreich gibt, die sehr viel Geld in soziale Projekte investieren, aber das wird unterschätzt, weil sie ihre guten Taten nicht in der Öffentlichkeit bekannt machen. Das ist schade. Ich glaube aber auch, dass das
eine Frage der Kultur ist.
WirtschaftsBlatt: Stifter haben in weiten Teilen der Bevölkerung nicht gerade ein positives Image. Warum?
Gerald Schweighofer:
Im Vergleich zum angloamerikanischen Raum haben Stiftungen keine Tradition. In
Österreich gibt es viele neue Stiftungen. Über Gemeinnützigkeit wird kaum in der Öffentlichkeit geredet. Das heißt aber nicht, dass alle Stifter nur auf ihrem Geld sitzen und für gemeinnützige Zwecke nichts übrig haben. Das stimmt so nicht. Es fehlt an der Außendarstellung.
WirtschaftsBlatt: Sie sprechen schon seit längerem von einer ‚Solidarität der Stifter‘, die gemeinsame Aktionen machen sollen. Hat ihre Initiative Wirkung erzielt?
Gerald Schweighofer:
Vor etwa einem dreiviertel Jahr haben sich die Vertreter von sechs Stiftungen zusammengesetzt, die wie wir konkrete Pläne für spezielle Projekte haben. In dieser Runde kann man eben schon wesent lich größere Vorhaben umsetzen und auch die Synergien viel besser nutzen. Das ist ja mein großes Anliegen. Sowohl die Gruppe der Stiftungen als auch die Projekte werden heuer im August beim Forum Alpbach der Öffentlichkeit vorgestellt. Wir wollen dadurch auch noch andere Stifter ermuntern, sich mit uns zusammenzuschließen.
WirtschaftsBlatt: Die Finanzkrise hat Stiftungen teilweise schwer gebeutelt. Waren die Stifter zu gierig?
Gerald Schweighofer:
Es ist immer dasselbe: Großer Ertrag heißt großes Risiko. Nur: Wenn ich beim
Friseur höre, dass eine Vermögensanlage unter zehn Prozent Rendite nicht lukrativ genug ist, dann stimmt etwas nicht mehr. Wer von Renditen zwischen fünf und sechs Prozent sprach, wurde geradezu ausgelacht.
WirtschaftsBlatt: Wie haben Sie veranlagt?
Gerald Schweighofer:
Konservativ, auf Wertbeständigkeit. Wir setzen nicht auf den schnellen Profit, sondern investieren in Immobilien, Wälder und in die Industrie.
WirtschaftsBlatt: Zwei OGH-Urteile bestätigten, dass der Einfluss der Stifter auf die Stiftungen eingeschränkt bleiben muss. Stiftern hat das offenbar die Stimmung kräftig vermiest. Berechtigt?
Gerald Schweighofer:
Tendenziell haben sich die Bedingungen für Stifter verschlechtert. Wenn die Restriktionen im Rahmen bleiben, dann werden die Stifter das akzeptieren, sie werden mit der Stiftung in Österreich bleiben. Nur: Die Bedingungen müssen attraktiv sein. Sonst gehen diejenigen aus Österreich weg, die ihre Stiftungen
hier extra wegen dem Privatstiftungsrecht gegründet haben. Das Kapital ist mobil,
global und somit schnell transferierbar.
WirtschaftsBlatt: Hört man die Stifter und ihre Berater, könnte man glauben, Stifter würden in Österreich geradezu verfolgt. Wie sehen Sie’s?
Gerald Schweighofer:
Ich habe mit vielen Stiftern gesprochen, sie sind natürlich beunruhigt und prüfen ernsthaft die Alternativen. Auch ich habe das getan. Es geht darum, ob das Vermögen in einer Stiftung unter den jetzigen Rahmenbedingungen noch gesichert werden kann, wie es ursprünglich der Sinn und Zweck der Stiftung war. Allerdings wird aber auch vieles hochgespielt, da muss wieder mehr Sachlichkeit in die
Diskussion, so kann man auch einen guten Kompromiss finden.
WirtschaftsBlatt: Würden Sie aus heutiger Sicht wieder eine Stiftung gründen?
Gerald Schweighofer:
Ich würde es genauso machen. Es geht nicht nur um steuerliche Anreize. Ein Großteil der Stifter will ja die Nachfolge regeln und das, was lange Jahre Erfolg brachte, erhalten. Schlussendlich geht es aber eben auch darum, das Unternehmen und somit auch Arbeitsplätze zu erhalten. Ich will über meinen Tod
hinaus weiterhin soziale Projekte unterstützen und die Holzforschung fördern.
Die Hälfte des Ertrags aus der Stiftung ist dann für gemeinnützige Zwecke reserviert.
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- WirtschaftsBlatt 30. Juni 2010